#114 Sylvia Löhrmann: Nie wieder ist jetzt.
Shownotes
Fast 80 Jahre nach dem Holocaust ist Antisemitismus in Deutschland erneut bittere Realität. Jüdinnen und Juden werden angefeindet, bedroht und ausgegrenzt – auch mitten in unserer Gesellschaft. Studien zeigen: Fast jeder vierte Mensch in Nordrhein-Westfalen trägt antisemitische Einstellungen in sich. Diese Entwicklung ist schmerzhaft, alarmierend und inakzeptabel.
Anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar 2026 widmet sich dieser Podcast der zentralen Frage, was Erinnerung heute bedeutet – und welche Verantwortung daraus für Gegenwart und Zukunft erwächst. Unter dem Leitgedanken „Nie wieder ist jetzt“ sprechen wir mit Staatsministerin a. D. Sylvia Löhrmann, der Beauftragten für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur des Landes Nordrhein-Westfalen, die dieses wichtige Amt – wie ihre Vorgängerin – ehrenamtlich ausübt.
Im Podcast spricht sie über ihre eigene Motivation, diese Verantwortung zu übernehmen, und über die Schwerpunkte ihres Engagements: eine lebendige Erinnerungskultur, den Schutz jüdischen Lebens, den interreligiösen Dialog und die Stärkung der deutsch-israelischen Freundschaft.
Das Gespräch macht deutlich: Gedenken darf nicht ritualisiert werden. Erinnerung ist kein Blick zurück allein, sondern eine Haltung im Hier und Heute. Antisemitismus zu bekämpfen bedeutet, Haltung zu zeigen, hinzuschauen, zu widersprechen und Verantwortung zu übernehmen – in Politik, Bildung, Zivilgesellschaft und im Alltag jedes Einzelnen.
Dieser Podcast versteht sich als Einladung zum Zuhören, Nachdenken und Handeln. Er erinnert an die Opfer des Holocaust – und daran, dass das Versprechen „Nie wieder“ nur dann Bestand hat, wenn wir es jeden Tag neu einlösen.
Disclaimer: Dieses Gespräch haben wir bereits im Dezember 2025 aufgezeichnet.
Eine beispielhafte Initiative um jüdisches Leben wieder sichtbarer und erlebbarer zu machen sind die "Kölsche Kippa Köpp e.V. vun 2017", der einzige jüdische Karnevalsverein in Deutschland. Sie sind hier im Internet zu finden: https://kippakoepp.koeln.
Zu finden ist der Internetauftritt der Beauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur unter https://antisemitismusbeauftragte.nrw/.
Transkript anzeigen
00:00:04: Gleichzeitig ist es aber so, dass die Jüdinnen und Juden sich nach dem siebten Oktober XXIII natürlich eine größere Solidarität gewünscht hätten, eine größere sichtbare Solidarität.
00:00:17: Und der Anstieg des Antisemitismus, der treibt natürlich um und insofern hat sich die Lage dadurch deutlich, die hat sich deutlich
00:00:25: verändert.
00:00:33: Willkommen zu Erst Stimme, dem Podcast für politische Bildung.
00:00:37: Wir sprechen einmal im Monat mit Menschen, die in Politik und Gesellschaft was zu sagen haben oder etwas darüber zu sagen haben.
00:00:44: Mein Name ist Andra Wale und ich bin freie Journalistin.
00:00:48: In der ersten Folge des neuen Jahres sprechen wir über jüdisches Leben und Erinnerungskultur, Themen, die in Deutschland historisch tief verankert sind.
00:00:56: Aber wir sprechen auch über ein Phänomen, das wir seit dem siebten Oktober, mit einer neuen Dringlichkeit diskutieren, nämlich Antisemitismus und wie wir ihn bekämpfen können.
00:01:07: Seit rund sieben Jahren hat die Landesregierung Nordrhein-Westfalen eine Beauftragte, die sich genau mit diesen Themen befasst.
00:01:13: Und seit November, ist das Silvia Lörmann.
00:01:18: Die frühere stellvertretende Ministerpräsidentin engagiert sich schon lange für diese Themen.
00:01:22: Und sie ist heute auch Gast bei uns in der Erststimme.
00:01:25: Frau Lörmann, vielen Dank für die Zeit.
00:01:27: Ja, sehr, sehr gerne.
00:01:29: Ich würde das Thema ganz gerne mit etwas Schönen beginnen und etwas Aktuellen beginnen.
00:01:34: Nämlich, es ist bekannt geworden vor kurzem, dass sich Düsseldorf als Standort für ein Yad Vashem Education Center.
00:01:41: also sozusagen als eine Art Außenstelle für diese bekannte, wichtige Holocaust-Gedenkstätte.
00:01:47: Warum ist es Ihnen anliegen, dass dieses Education Center nach Deutschland, im besten Fall für uns jetzt gesehen, nach Düsseldorf kommt?
00:01:56: Ja, das ist mir natürlich ein Anliegen, weil ich die Arbeit von Yad Vashem sehr, sehr lange kenne.
00:02:03: Schon durch meine ersten Israel-Besuche.
00:02:06: aber natürlich auch als Lehrerinnen, die natürlich die Themen auch behandelt hat und jetzt als Beauftragte des Landes für die Bekämpfung von Antisemitismus für jüdisches Leben und Erinnerungskultur.
00:02:18: Jadwajshem hat einen besonderen Ansatz, die Opfer in den Mittelpunkt zu stellen, die Hintergründe in den Mittelpunkt zu stellen und auch die Wahrheit, die Wahrheit zu vermitteln über die Shoah.
00:02:34: In Nordrhein-Westfalen arbeiten viele Einrichtungen auch heute schon mit Jad Waschem zusammen.
00:02:41: und das noch stärker zu institutionalisieren, sage ich mal technisch, um die gute Arbeit, die wir in Vernetzung mit Bildungspartner NRW, mit den vielen Gedenkstätten, die wir haben, um das nochmal verstärken zu können, das wäre natürlich großartig, wobei dieses Center würde für Deutschland dann in Nordrhein-Westfalen beheimatet sein.
00:03:04: werden.
00:03:06: Und wir haben in Nordrhein-Westfalen bei dem Delegationsbesuch Anfang Dezember letzten Jahres vier Standorte besucht in Nordrhein-Westfalen.
00:03:13: Wir wissen aber auch, dass eben auch Bayern besucht wurde und das auch Sachsen besucht wurde.
00:03:18: Insofern hoffen wir mal, dass die Wahl auf NRW fällt.
00:03:22: Und wir würden aber auch uns als Zentrum für ganz Deutschland dann verstehen.
00:03:28: Und können Sie ein bisschen aus dem Nichtkästen plaudern?
00:03:29: Wie ist so Ihr Gefühl?
00:03:31: Was für Chancen hat Düsseldorf?
00:03:32: Das kann ich ja nicht sagen, dem kann ich auch nicht vorgreifen.
00:03:35: Aber wir haben, glaube ich, gezeigt, dass der Landtagspräsident, alle jüdischen Gemeinden, der Ministerpräsident, etliche Ministerinnen, Minister des Kabinetts, die vier Oberbürgermeister von den potentiellen Standorten, die Landesvorsitzenden der jüdischen Gemeinden aus Nordrhein-Westfalen, dass die alle dahinter stehen und eine engagierte Zivilgesellschaft.
00:03:56: Und wir haben eben einen Netzwerktermin gehabt.
00:03:59: den ich auch maßgeblich hier mit meinem Team gestaltet habe, wo wir eben die örtlichen Akteure der Bildungsarbeit ganz konkret mit dem biografischen Ansatz zur Holocaust Education, die haben wir hier im Gespräch gehabt und das habt die Delegation aus Yad Vashem, glaube ich, gemerkt, dass das hier mit Herz und Verstand angegangen wird und dass da große Potenziale drin liegen würden.
00:04:28: Wir werden sehen, auf welch Stadt die Entscheidung fällt.
00:04:31: Kommen wir doch mal auf das Thema jüdisches Leben zu sprechen, Frau Lörmann.
00:04:34: Wenn jetzt jemand sagt, jüdisches Leben, das ist etwas, was ich in meinem Alltag irgendwie nicht wahrnehme, nicht sehe, guckt die Person dann nicht richtig hin.
00:04:44: oder würden sie sagen, das ist etwas, was vielleicht wirklich nicht so sichtbar ist auf den ersten Blick.
00:04:52: Ich glaube, das kommt sehr darauf an.
00:04:54: Wenn jetzt jemand sich mit Musik beschäftigt, dann kann er oder sie natürlich viel eher überlegen, welche Komponisten gibt es, welche Musik gibt es aus der jüdischen Kultur.
00:05:06: Wenn sich jemand für Literatur interessiert, kann er wissen, dass Alaska Schüler eine ganz tolle... Ja, eine tolle Dichterin ist, aber auch eine Malerin ist, eine ganz faszinierende Persönlichkeit, die Jüdin ist, die verfolgt wurde.
00:05:24: Also das hängt ja ein bisschen davon ab, wie die Menschen, welches Vorwissen sie auch haben.
00:05:29: Das kann man niemandem zum Vorwurf machen.
00:05:31: Aber natürlich, und das ist die traurige Seite, findet jüdisches Leben nicht in dem Maße im öffentlichen Raum statt, wie wir uns das wünschen würden.
00:05:42: Und wie ich mir das auch persönlich wünsche, das heißt, die Chanukka-Feierlichkeiten oder Yom Kippur, oder Sukot, dieses wunderbare Laubhüttenfest.
00:05:53: Und da hat ja durch das Fest, jahrtausend, siebenhundert Jahre jährlich das Leben in Deutschland, an dem ich als Generalsekretärin mitgewirkt habe, hat ja da eigentlich einen Meilenstein geschafft, nach vorne.
00:06:05: Und die Gemeinden haben das auch für sich entdeckt, zu sagen, wir wollen an Sukot die Türen aufmachen und wollen das mit unseren Nachbarinnen und Nachbarn feiern.
00:06:15: Und wenn da Menschen sagen, ach, ich gucke mir das mal an, also mit Neugier auch auf andere zugehen, dann lässt sich da, glaube ich, ganz viel entdecken.
00:06:24: Und wir haben vielleicht auch, wir haben ja auch vielleicht eine Scham und wir haben Angst, Menschen zu nahezu kommen.
00:06:33: Die Vergangenheit spielt vielleicht noch mit oder aber wir haben negative Auslöser.
00:06:37: jetzt zu sagen, damit will ich nichts zu tun haben.
00:06:41: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die jüdischen Gemeinden sich unheimlich freuen, wenn auf sie zugegangen wird und zwar einfach mit mit offenen Herzen und mit offenen Blick und dass dann auch Gespräche und Begegnungen möglich sind und die Religion vielleicht in den Hintergrund tritt.
00:06:58: Sie sind ja damals nicht aus heiterem Himmel Antisemitismus oder Landesbeauftragte geworden, auch für dieses Thema oder für diese Themenbereiche, sondern weil Ihnen die Beziehung zu Israel, so konnte ich zumindest rauslesen, aus Ihrer Vita schon ganz, ganz lange ein Anliegen sind.
00:07:13: und auch das Thema jüdisches Leben, Änderungskultur hier in Deutschland.
00:07:17: Sie haben es auch gesagt, Sie sind unter anderem Generalsekretärin des Vereins, tausend, siehundert Jahre jüdisches Leben in Deutschland.
00:07:23: Was hat für Sie denn den Ausschlag gegeben?
00:07:25: zu sagen, ja, ich möchte dieses Amt der Landesbeauftragten übernehmen.
00:07:30: Ich bin ja eigentlich schon pensioniert gewesen.
00:07:33: Und als aber die Regierung an mich herangetreten ist, es gibt Sachen, da kann man eigentlich gar nicht nein sagen.
00:07:41: Und nach dem siebten Oktober, die Lage ist ja noch mal viel, viel schwieriger geworden.
00:07:46: Da fragt man sich natürlich schon, aber da das in gewisser Weise, wie Sie richtig beschrieben haben, mein Lebensthema ist, war klar.
00:07:55: dass ich das auch machen möchte und zwar auch ganz aktiv machen möchte, weil für mich als Deutsche die Verantwortung aufgrund des Holocaust einfach nach wie vor eine ganz, ganz große Bedeutung hat.
00:08:13: Und ich ist aber durch das Fest ja, aber auch durch andere Begegnungen, für mich, dass jüdische Leben noch dazugekommen ist und wir uns eben aktuell mit dem Antisemitismus so noch mal intensiver und vielleicht auch anders auseinandersetzen müssen.
00:08:28: Und insofern habe ich da eine sehr, sehr, sehr lange Erfahrung in den Themen.
00:08:34: Und ich bin halt dadurch, dass ich gutes Ministerkonferenz Präsidentin war, da war er erinnern für die Zukunft auch ein... eines meiner Schwerpunktthemen, bin ich eben in den Themen auch sehr, sehr gut vernetzt.
00:08:45: Durch das Fest, ja, habe ich die anderen Beauftragten der anderen Länder schon kennengelernt.
00:08:49: Also ich konnte im laufenden Geschäft auch einsteigen, hinzukommen, dass ich ein sehr gutes und auch wirklich sehr nettes Gespräch mit Frau Lauter Saschnachenberger, der Vorgängerin hatte.
00:09:00: Das hat mich dann eben auch ermuntert, diese Aufgabe anzunehmen und sie hoffentlich gut mit Leben zu füllen.
00:09:09: Gibt es, gab es irgendwie eine Begegnung, ein Gespräch oder eine Anekdote, die Sie im letzten Jahr irgendwie besonders überrascht hat oder vielleicht Ihre Perspektive auf die Themen jüdisches Leben oder Erinnerungskultur oder Antisemitismus nochmal besonders verändert hat?
00:09:28: Da würde mir jetzt auf Anhieb nichts einfallen.
00:09:32: Ich habe aber im letzten Jahr einige Begegnungen natürlich nochmal.
00:09:37: besonders sensibilisiert.
00:09:40: Ich bin ja auch mit einer Delegation des Landtagspräsidenten, mit Herrn Cooper in Israel gewesen Ende Oktober, Anfang November.
00:09:50: Das war der Zeitpunkt, als gerade der Waffenstillstand eingetreten war.
00:09:57: Und wir haben eben auch das Nova Festival Gelände besucht, wo es viele, viele Opfer gab.
00:10:04: Und dort zu sehen, welche Menschen da getötet wurden, die Auseinandersetzung um den siebten Oktober, um den Krieg im Gaza, die sind so stark politisiert und da wird so stark argumentiert und es wird versucht mit Kategorien zu beschreiben, dann aber zu sehen, dass da einfach feierende Menschen waren, Jugendliche, die niemandem was zu Leide getan haben.
00:10:37: Und das einzubeben in so ein Narrativ, dass das in irgendeiner Weise zu rechtfertigen ist.
00:10:43: Also das war für mich nochmal sehr bewegend, das dann persönlich zu erleben.
00:10:49: Und das stärkt dann natürlich die eigene Achmeditationskraft vielleicht auch an der einen oder anderen Stelle.
00:10:57: Aber auch zu erleben die jüdische Resilienz, die Widerstandskraft.
00:11:05: Es gibt ja eine Ausstellung auch dazu, Und die Ausstellung endet damit We Will Dance Again.
00:11:10: Also wir werden auch weiter tanzen.
00:11:13: Wir Jüdinnen und Juden, wir lassen uns unsere Lebensfreude nicht nehmen.
00:11:18: Und eine Installation aus Anemonen, aus Ton, die für die Opfer stehen.
00:11:24: Und das dann zu wissen, dass da auch Blumenzwiebeln eingepflanzt wurden auf dem Gelände.
00:11:31: Und wenn Regen kommt, dass sie dann blühen werden.
00:11:34: Um deutlich zu machen, es gibt Hoffnung, es gibt Weiterentwicklungen und also ganz starke, kraftvolle, kraftvolle Ausdruck davon, dass das jüdische Leben weitergehen wird und weitergehen soll.
00:11:50: Und wir haben ja auch hier in Nordrhein-Westfalen einige Familien getroffen und die Mutter eines Getöteten hat zum Beispiel die Laudatio.
00:12:00: für Daniel Löcher von Borussia Dortmund und von dem Verein What Matters, die ganz viel tolle Arbeit machen.
00:12:07: Also es sind ja auch Beziehungen zu Familien der Geiseln oder der Opfer entstanden und die Begegnungen waren nochmal sehr besonders.
00:12:17: Was machen solche Begegnungen mit Ihnen?
00:12:19: Also was nehmen Sie persönlich daraus mit?
00:12:23: Ich habe besonders mitgenommen, dass die Menschen Trotz dieses persönlichen Schmerzes, trotzdem bereit sind, uns die Hand zu reichen und mit uns daran arbeiten wollen, dass wir an einer Zukunft ohne Krieg, ohne Hass arbeiten und dass wir in Nordrhein-Westfalen ein bisschen dazu beitragen konnten, dass sichtbar wird.
00:12:47: Es gibt die Zahlen zu Antisemitismus, ja, aber es gibt eben auch Solidarität.
00:12:51: Und diese Erfahrung mache ich natürlich erfreulicherweise auch durch ganz tolle Schulprojekte.
00:12:57: Oder durch bei uns in Stadt und Land, kann man ja sagen, wirklich Flächendecken, die Nordrhein-Westfalen ganz viele Initiativen, die auch was tun wollen, Netzwerke gegen Antisemitismus, die auf die Straße gehen.
00:13:08: Hier in Düsseldorf Run For Their Life sind.
00:13:10: jeden Sonntag, sind die für die Geiseln, sind die auf die Straße gegangen und wollten deutlich machen, wir schweigen nicht und wir kämpfen dafür, dass alle Geiseln frei kommen und dass eben auch die Überreste der Getöteten auch noch zu den Familien zurück.
00:13:24: kommen können, damit sie beerdigt werden können.
00:13:27: Das sind so wichtige, emotionale, bedeutsame Entwicklungen und das ist die Vielschichtigkeit.
00:13:35: Würden Sie sagen, man wird diesen Initiativen, diesen Gruppierungen in der öffentlichen Debatte gerecht?
00:13:41: Weil also korrigieren Sie mich gerne aber mein Gefühl ist, wenn es um jüdisches Leben oder grundsätzlich um das Judentum, ich nenne es mal ganz, ganz allgemein in der öffentlichen Debatte geht, dann geht es leider meistens um das Thema Antisemitismus.
00:13:54: Ja, das stimmt.
00:13:55: Das ist ja auch richtig.
00:13:56: Wir können den und wollen den ja auch nicht verschweigen.
00:13:58: Wir dokumentieren den.
00:13:58: Darum gibt es die gibt sie Rias Stelle.
00:14:01: Darum gibt es Sabra.
00:14:02: Darum gibt es Adira.
00:14:03: Darum gibt es das NSDoc, weil es dokumentiert werden muss, weil wir das Dunkelfeld erhellen wollen.
00:14:09: Und weil wir wissen, wir können uns auf gar nichts ausruhen, was wir in den letzten Jahrzehnten auch gemacht haben.
00:14:14: Aber die die die positive zivilgesellschaftliche Gegenbewegung, die kommt vielleicht in der Tat, die kommt vielleicht zu selten zum Zug, weil da ja auch ganz viel Empowerment hintersteckt.
00:14:25: Und mir liegt daran, das haben wir auch in dem neuesten Bericht jetzt gemacht.
00:14:30: Wir haben eben ganz viele Projekte auch beschrieben und fangen auch an kleine Landkarten zu machen, wo man dann sieht, wo Projekte stattgefunden haben und wo zivilgesellschaftliches Engagement vor Ort gelebt wird, um dagegen zu arbeiten.
00:14:47: Ohne die Zivilgesellschaft können wir den Kampf nicht gewinnen.
00:14:50: Ja, also eine Karte umzusehen, wo man sich vielleicht auch anschließen kann.
00:14:53: Ganz genau, ganz genau.
00:14:55: Das kann ich vielleicht in dem Fall schon nennen, nach dem schrecklichen Anschlag in Australien zu Channuka, der uns ja alle auch erst mal umgehauen hat und wir überlegt haben, können wir Diese Freiertage begehen, aber auch die jüdische Seite hat gesagt, doch jetzt erst recht, wir wollen es begehen.
00:15:18: Hat zum Beispiel bei uns im Büro eine Bürgerin angerufen und hat gesagt, sie wollte jetzt was tun.
00:15:25: Und dann haben wir eben gefragt, wo wohnen sie denn?
00:15:28: Und dann konnten wir direkt sagen, da gibt es ein Netzwerk gegen Antisemitismus und am besten wenden sie sich dahin.
00:15:33: Also das sind so kleine Zeichen, aber viele kleine Zeichen verändern eben auch.
00:15:38: die Welt.
00:15:39: Können das große Ganze auf jeden Fall auch ergänzen bzw.
00:15:42: Bereich an.
00:15:44: Kommen wir doch mal auf ihre tägliche Arbeit zu sprechen, wenn Sie es jetzt gerade selbst schon ansprechen.
00:15:47: Was nimmt denn so in Ihrem Arbeitsalltag den, ich sag mal, den größten Raum ein?
00:15:52: Den größten Raum nehmen eigentlich die Termine ein.
00:15:57: Dadurch, dass ich eben in Nordrhein-Westfalen keine Unbekannte bin und war und ich vorher schon bei dem Thema viel unterwegs war, kommen eben ganz viele Anfragen, dass man, ob das jetzt das Thema Antisemitismusbekämpfung bei der Polizei ist, dass man zu Grußworten eingeladen wird von Konferenzen oder dass zu den Gedenktagen natürlich besonders viele Einladungen stattfinden, um dann Wortbeiträge Grußworte zu halten.
00:16:30: Neunten November war ich zum Beispiel bei drei Terminen im ländlichen Raum und in zwei Städten noch am Tag darauf.
00:16:38: Das heißt, die Menschen möchten dann, dass insgesamt das Thema eingeordnet wird, dass es Hinweise auch zur Weiterentwicklung gibt.
00:16:45: Oder aber es gab ein ganz tolles Projekt in Warendorf.
00:16:51: Da hat eine lokale Initiative angefangen.
00:16:53: Wir wollen jüdisches Leben hier erkunden und dann ist das mit Schülern passiert, mit jemandem ein Warenhaus gehört.
00:16:59: Die haben das dann aufgearbeitet und dargestellt.
00:17:02: und die Tora Rolle, die Die Verschollen war, die war einmal dann sozusagen in Warendorf wieder zu Besuch mit einem Vertreter auch der Judischen Gemeinde aus Münster, wo die Torarolle ihren Platz heute gefunden hat.
00:17:17: Also das heißt, ganz viele Veranstaltungen, Begegnungen zu unterschiedlichsten Anlässen, wenn was erarbeitet worden ist.
00:17:24: Daneben gibt es ja auch einen kleinen Fördertopf.
00:17:27: Das heißt, es können Projekte über die Homepage, können Projekte anmelden und Wir müssen dann natürlich entscheiden, ist dieser Antrag sachgemäß?
00:17:38: Wie stehen die Kosten im Verhältnis zum Eigenanteil?
00:17:41: Da gibt es Kriterien zu erfüllen.
00:17:43: Und dann müssen wir aber natürlich entscheiden, welche Projekte dann sozusagen den Zuschlag bekommen.
00:17:48: Das ist auch ein wichtiger Punkt.
00:17:51: Dann ist mir wichtig, dass wir die Netzwerkarbeit verstärken.
00:17:56: Und deswegen habe ich angeknüpft auch an die Arbeit von Frau Leuters-Nachenberger.
00:18:01: Kommunalkonferenzen zu machen.
00:18:04: Das heißt, dann orientieren wir uns an den Regierungsbezirken und mit den Regierungspräsidenten machen wir dann so einen Kommunaltag, aber versetzt zeitlich.
00:18:13: Und dann können die Leute aus den Kommunen dahin kommen und können sich austauschen.
00:18:17: Zum Beispiel Antisemitismusprävention in der kommunalen Zivilgesellschaft oder in den kommunalen Strukturen.
00:18:25: Und das wird auch dankbeangenommen.
00:18:27: Das heißt, man merkt auch in den öffentlichen Einrichtungen haben Menschen auch ein Interesse daran, was können wir denn tun?
00:18:33: Worauf müssen wir denn achten?
00:18:35: Und da sind die Städte an unterschiedlichen Stellen manchmal.
00:18:39: Aber wenn die sich austauschen, merkt man ja auch nicht jeder.
00:18:42: Jeder muss das Rad neu erfinden, sondern in der Vernetzung können wir von guten Erfahrungen anderer auch lernen und die vielleicht auch selber umsetzen.
00:18:50: Das heißt, die werden ja auch viel Kontakt haben zu jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern.
00:18:55: Wie nehmen Sie da derzeit zu die, ich formuliere es mal ganz platt, die Stimmung war.
00:19:01: Wie hat die sich in den letzten Jahren verändert?
00:19:04: Vom Grundsatz her kann man sagen, dass zwischen der politischen Ebene des Landes, zwischen der demokratischen Fraktionen und den jüdischen Gemeinden eine sehr gute Kooperation, ein sehr guter Austausch besteht.
00:19:19: Es wird ja auch zur Veranstaltung von jüdischen Gemeinden eingeladen.
00:19:24: Und da würde ich mal sagen, da steht NRW.
00:19:27: Es ist ja auch der.
00:19:28: der sechzigste Jahrestag der Aufnahmen der diplomatischen Beziehung ist ja auch in Düsseldorf gefeiert worden von der Botschaft auch von der israelischen Botschaft aus und das waren dann auch freudige trotz der belastenden Situation freudige Anlässe und auch freudige Begegnungen.
00:19:45: Und gleichzeitig ist es aber so, dass die Jüdinnen und Juden sich nach dem siebten Oktober dreiundzwanzig natürlich eine größere Solidarität gewünscht hätten, eine größere sichtbare Solidarität.
00:20:00: Und der Anstieg des Antisemitismus, der treibt natürlich um und insofern hat sich die Lage dadurch deutlich, die hat sich deutlich verändert.
00:20:08: Das richtet sich dann aber nicht gegen uns jetzt als politische oder öffentlichere Präsentanten, sondern das richtet sich dagegen so, wo ist der Aufschrei geblieben oder das zum Beispiel die Übergriffe und die Vergewaltigung an Frauen nicht auch stärker anerkannt wurde, dass das überhaupt stattgefunden hat, dass das nicht beklagt wurde.
00:20:34: So etwas wird einem dann auch gemeldet, wie enttäuscht dann die Juden und Juden sind.
00:20:39: Also Solidarität mit Juden und Juden konkret nach dem siebten Oktober?
00:20:44: Ja,
00:20:46: dass eben der Hass, der sich Bahnen gebrochen hat, aus meiner Sicht falsch verstanden, vermeintlicher Solidarität mit mit Palästina und Palästinenseren und Palästinensern, dass das einfach, dass das aus den Fugen ist und nicht im Gleichgewicht ist und niemand möchte, möchte, wollte Opfer im Gaza.
00:21:12: Also diese Unterstellung und diese Vereinfachung, das ist schon das, das Dass das die jüdische Gemeinde schmerzt und natürlich die Freundin von Israel als Staat auch schmerzt.
00:21:25: Ja, also ich glaube beim Blick in zum Beispiel Kommentarspalten.
00:21:28: Ich meine, da sollte man sich sowieso aus eigenem Interesse besser nicht lange aufhalten oder gar nicht aufhalten.
00:21:33: Aber da könnte man ja schon den Eindruck bekommen, dass der siebte Oktober eigentlich gefühlt für manche gar nicht stattgefunden hat oder ausradiert wurde.
00:21:41: Wenn Sie mit jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern sprechen, Ich frage mich da, wie macht man denen, ich weiß gar nicht, ob sie sagen würden, das ist ihre Aufgabe, aber wie macht man denen Hoffnung?
00:21:53: Wie gibt man denen irgendwie ein gutes Gefühl?
00:21:58: Das kann man ja auch nicht instrumentell machen.
00:22:02: Das wäre ja auch nicht im Sinne des Ganzen, sondern ich glaube, es sind dann die kleineren und gar nicht so schweren.
00:22:13: Begegnungen und Ereignisse.
00:22:16: Wir haben in Solingen eben auch eine Chanukka-Feier gehabt und der Vertreter der jüdischen Gemeinde, der hat sich so gefreut, dass die Kinder einer Schule eben, die haben das fest erklärt, die haben ein Lied gesungen auf Hebräisch und dann hat er die eingeladen, kommt in die Synagoge, ich erkläre euch alles.
00:22:42: Ein einfaches von Mensch zu Mensch aufeinander zugehen, das ist glaube ich eigentlich das Einfachste und das kann ich ja jetzt nicht, es kann ich ja nicht vermitteln in dem Sinne.
00:22:55: Aber das dabei zu sein, das mitzuerleben und dafür zu werben, dafür kann ich ja nur werben.
00:23:00: Öffnet euch seit neugierig, geht aufeinander zu und darauf kommt es dann an.
00:23:08: Sie sind ja auch Ansprechpartnerin für Betroffene und Opfer von Antisemitismus hier Nordrhein-Westfalen.
00:23:13: Wie oft passiert das, dass sich wirklich jemand gezielt an Sie wendet?
00:23:18: Das passiert schon unterschiedlich, also das passiert schon an etliche Male, wobei ja richtigerweise wir eben ein System haben, dass wir über die drei Anlaufstellen, Düsseldorf, Dortmund und auch Köln, die Möglichkeit haben, dass Vorfälle gemeldet werden.
00:23:39: Es gibt einen Button, den kann man anklicken auf der Internetseite und dann wird das weitergeleitet und wird das ja auch systematisch geprüft.
00:23:48: Und meistens funktioniert das dann sozusagen, dass das direkte direkter Zugang dann dazu besteht.
00:23:57: Und manchmal schalten mich dann auch die Einrichtung ein und bitten um Vermittlung.
00:24:02: Manchmal wenden sich aber auch Leute an uns und sagen, da ist da so das passiert.
00:24:05: Und dann können wir das weitergeben an die Fachleute.
00:24:08: Ich bin ja im Grunde.
00:24:10: als ehrenamtliche Beauftragte.
00:24:11: Ich bin ja sowas wie so eine Scharnierstelle und gebe das dann weiter.
00:24:16: und natürlich das Team hier in der Staatskanzlei mit der Erfahrung, die da schon hintersteht, die sagen auch, da müssen wir so vorgehen, da müssen wir so vorgehen, hier müssen wir die Unileitung einschalten oder hier müssen wir versuchen, Kontakt zum WDR herzustellen und müssen uns das nochmal erklären lassen.
00:24:33: Und insofern ist die, ist das das... Diese kleine Einrichtung, Büro der Beauftragten, ist ja vernetzt in die Landesregierung, aber auch in andere öffentliche Stellen.
00:24:44: Ist das mehr geworden, dass sich Universitäten oder dass die Feldern Universitäten wahrnehmen?
00:24:50: Ja.
00:24:50: an Universitäten ist nach dem siebten Oktober ein deutlicher Anstieg auch zu verzeichnen gewesen.
00:24:55: Das ist in dem Rias-Melde-Bericht, also Rias ist ja die Stelle, die gibt es in Berlin, die gibt es aber auch in einigen Bundesländern und eben auch bei uns hier in Düsseldorf.
00:25:04: Die haben das dokumentiert.
00:25:05: und der Rias-Jahres-Bericht, über im Jahr zwanzig, der hatte auch einen Schwerpunkt zu Universitäten und in unserem Bericht gab es auch demzufolge einen Schwerpunkt.
00:25:18: bezogen auf die Universitäten.
00:25:20: Und es gibt auch noch eine Vernetzung auch auf Bundesebene bei Felix Klein, dass man sich auch regelmäßig austauscht.
00:25:26: Was können Universitäten tun?
00:25:28: Wie können Sie auch eine Rechtssicherheit erfahren?
00:25:30: Wir haben an einigen Universitäten auch Antisemitismusbeauftragte, die tauschen sich auch aus.
00:25:35: Wenn es Vorfälle gibt damit, wir ja auch rechtssicher handeln.
00:25:38: Da wäre ja kontraproduktiv.
00:25:41: Man versucht, verbietet dies oder jenes und dann gibt es einen Urteil, was sagt, das ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt und dann gibt es ja noch, dann hat man der Sache einen Währendienst erwiesen, aber das hat sich eigentlich im Austausch miteinander ganz gut eingespielt.
00:25:58: und die Universitäten machen zum Teil Ringvorlesungen, um auch aufzuklären.
00:26:04: Warum ist der Staat Israel denn gegründet worden, über die Shoah aufzuklären, über jüdisches Leben aufzuklären, vielleicht eine Zeitzeugung noch einzuladen?
00:26:14: Also die Unis sind da schon aktiv geworden und das kann ich natürlich auch nur begrüßen.
00:26:21: Warum das mit den Universitäten so sensibel ist?
00:26:26: Und was da auch nochmal deutlich geworden ist, das lässt sich auch in einem Interview in dem Jahresbericht nochmal nachlesen.
00:26:36: Das ist das Stichwort Retraumatisierung.
00:26:39: Das heutige jüdische Hochschullehrende, die von ihren Großeltern erfahren haben, dass man in Deutschland Angst haben muss, weil sie fliehen mussten aus Deutschland.
00:26:53: Und weil die Großeltern sich gewundert haben nach dem Krieg, warum geht er nach Deutschland?
00:26:58: Das ist doch ein unsicheres Land.
00:27:00: Und diese Hochschullehrenden der zweiten oder dritten Generation haben gesagt, wieso Deutschland ist doch jetzt okay.
00:27:07: Und dass sie sagen, wir haben wieder Angst.
00:27:11: Die Großeltern hatten recht.
00:27:13: Die Großeltern hatten doch recht.
00:27:15: Es stimmte vielleicht nicht für die Zeit dazwischen, aber es stimmte jetzt wieder.
00:27:21: Diese Erkenntnis, die ist da, finde ich, von Frau Bernschein sehr gut auch nochmal formuliert worden.
00:27:26: Und das hat mich zum Beispiel auch, das hat mich auch sehr durchatmen, tief durchatmen lassen, zu sagen, was heißt denn nie wieder ist jetzt und dass wir natürlich dafür sorgen müssen, dass jüdische Studierende und Hochschullehrende sicher an ihrer Universität arbeiten können müssen und nicht nur noch, nicht nur noch im Homeoffice studieren können oder sollen oder lehren.
00:27:49: Ganz klar.
00:27:51: Wenn wir uns jetzt mal die Zahlen angucken, ich habe mal auf den aktuellsten Bericht geschaut von im Jahr und Jahr und Jahr und Jahr und Jahr.
00:27:58: Ist die Zahl der antisemitisch motivierten Straftaten um Sechzig Prozent gestiegen.
00:28:03: Ich habe mich gefragt, ich weiß natürlich, Sie sind jetzt eine Person, die an einem gesellschaftlichen Problem arbeitet.
00:28:09: Das können Sie ja gar nicht alleine lösen.
00:28:12: Aber fühlen Sie sich manchmal aus dem Grund auch ein bisschen fühlt man sich da manchmal machtlos.
00:28:23: Es geht darum, Das habe ich ja schon gesagt, dass ich wichtig finde und alle Beauftragten wichtig finden, dass die Zahlen dokumentiert werden, dass sie bekannt werden.
00:28:33: Darum werben wir auch, dass sie denn was ist, dass es gemeldet wird.
00:28:38: Und nicht jeder Vorfall ist ja automatisch eine Straftat.
00:28:45: Ich glaube, man muss dann, was von der jüdischen Resilienz auch entwickeln, ich das mal in Anführungsstrichen so sage, dass man sagt, wir müssen gemeinsam daran arbeiten.
00:28:54: Natürlich kann ich das nicht alleine.
00:28:56: Ich habe auch bei meinem Amtsantritt gesagt, ich bin die Ehrenamtliche Beauftragte.
00:28:59: Die Hauptbeauftragten sind die Ministerin und Minister dieses Kabinetts und ohne Zivilgesellschaft geht es nicht.
00:29:06: Aber wir müssen es vorleben.
00:29:08: Und an dem Vorleben, daran können wir arbeiten.
00:29:11: die positiven Erfahrungen, die ich auch schon schildern konnte, die geben einem dann natürlich auch wieder was zurück, weil man sieht, aha, hier ist die Initiative XY, da ist Run For Their Lives, da ist Judisches Leben in Warendorf, da ist in der Eifel ein Projekt, wo... Kinder auch was erarbeitet haben und das klar zu machen und das in einen größeren Zusammenhang zu stellen.
00:29:37: Das motiviert dann und die Notwendigkeit ist unbestritten und daraus zieht man dann natürlich auch Energie und Kraft weiter zu motivieren.
00:29:47: Aber natürlich nach manchen Vorfällen oder nach persönlichen Schilderungen, da ist man dann auch nur entsetzt.
00:29:53: Aber das ist nicht der Auftrag der Aufgabe.
00:29:57: Ja, natürlich.
00:29:58: Also ich frage mich nur, weil ich glaube, es wäre ja total menschlich, wenn Sie sagen würden, ja, natürlich, denke ich mir manchmal, Puh, was kann ich irgendwie als kleine Person in diesem ganzen Gefüge halt gegen dieses Problem tun, ne?
00:30:13: Sie sagen es ja selbst.
00:30:13: Sie sind natürlich nicht die Einzige, das sind wir alle.
00:30:16: Ja.
00:30:16: Die... Aber das ist mir ja von vornherein klar gewesen.
00:30:19: Ja.
00:30:20: Sonst kann man das ja auch gar nicht machen und es gibt ja auch Leute, die sagen, es ist eigentlich... ist fraglich, ob das eine vernünftige Konstruktion ist.
00:30:29: Aber ich finde das trotzdem so.
00:30:31: Erstens bin ich unabhängig und ich bin nicht eingebunden in irgendeine Hierarchie, sondern ich kann versuchen, Menschen zu motivieren, auf die Schwachstellen hinzuweisen und dafür zu werben, dass man gemeinsam systematisch möglichst daran arbeitet und dass ich nicht das ausführende Organ in dem Sinne bin.
00:30:55: Aber anstachel und motiviere und versuche, dass es weniger wird, dass man so ein Amt vielleicht nicht mehr braucht.
00:31:05: Und davon träumen wir jetzt genauso wie wir davon träumen, dass jüdische Einrichtungen nicht rund um die Uhr bewacht werden müssen.
00:31:13: Und da müssen wir die Mehrheitsgesellschaft, müssen wir auch versuchen, wach zu rütteln.
00:31:18: Aber auch da trifft man eben auch wirklich ganz tolle Mitstreiterinnen und Mitstreiter.
00:31:23: Ja, die braucht man natürlich für so ein Vorhaben.
00:31:26: Letzte Frage habe ich schon.
00:31:28: Und zwar geht natürlich wieder um Sie persönlich, um Ihr Amt.
00:31:33: Wenn wir uns jetzt mal ans Ende Ihrer Amtszeit denken, wann auch immer das sein wird.
00:31:37: Wenn Sie dann zurückblicken, was würde Sie zufrieden stellen?
00:31:41: Was würde Sie vielleicht dazu bringen zu sagen, war eine gute Zeit?
00:31:46: Zum einen natürlich der Rückgang der Daten, also der antisemitischen Daten, aber vielleicht auch, wenn jede Schule in Nordrhein-Westfalen mit einem auswahrschulischen Lernort zum Thema jüdisches Leben, Erinnerungskultur zusammenarbeitet.
00:32:07: Und wir haben schon eine ganze Menge.
00:32:10: Ich wünsche Ihnen und natürlich auch uns allen als Gesellschaft, dass wir das gemeinsam erreichen.
00:32:15: Nicht nur für uns, sondern natürlich auch, vor allem für unsere jüdischen Mitmenschen.
00:32:19: Und ja, ich danke Ihnen ganz letztlich für die Einblicke in Ihre Arbeit und die wichtigen Worte, Frau Lörmann.
00:32:24: Sehr, sehr gerne.
00:32:25: Und das war die erste Folge von Erststimme im neuen Jahr, im Jahr für.
00:32:29: die nächste Folge erscheint Anfang Februar.
00:32:31: Und wir wünschen Ihnen bis dahin eine gute Zeit.
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